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Schlafregressionen sind Bullshit. Zumindest das, was wir daraus gemacht haben.

25. Aug.
4 Min. Lesezeit

4-Monats-Schlafregression. 8-Monats-Schlafregression. 12-Monats-Schlafregression. 18-Monats-Schlafregression. Wenn du dich online mit Babyschlaf beschäftigst, könnte man meinen, dein Kind verbringt die ersten zwei Lebensjahre damit, sich von einer Regression in die nächste zu hangeln.


Und ich sag’s direkt: Ich finde diesen ganzen Regressionen-Hype ziemlich Bullshit.


Ja, es gibt bestimmte Altersphasen, in denen Veränderungen im Schlaf häufiger beobachtet werden. Was ich Bullshit finde, ist das Bild, das wir Eltern damit in den Kopf setzen: Dein Baby hat schon „besser“ geschlafen, jetzt schläft es wieder „schlechter“ – also hat es einen Rückschritt gemacht. Aber genau das passiert in vielen Fällen überhaupt nicht.


Dein Baby entwickelt sich nicht zurück

Allein das Wort Regression finde ich problematisch. Es suggeriert eine Rückentwicklung und macht aus einer Veränderung im Schlaf sofort etwas Negatives. Dabei entwickelt sich dein Kind gerade ständig weiter. Sein Gehirn reift, es nimmt immer mehr wahr, lernt neue motorische Fähigkeiten, verarbeitet Eindrücke und entwickelt sich emotional weiter. Gleichzeitig verändert sich auch sein Schlaf. Dass Schlaf dabei nicht jede Woche genauso aussieht wie in der Woche davor, ist eigentlich wenig überraschend.


Bei anderen Entwicklungsschritten kämen wir schließlich auch nicht auf die Idee, von einer Regression zu sprechen, nur weil sie vorübergehend anstrengend sind. Wenn dein Baby anfängt, sich zu drehen und plötzlich nachts im Bett seine neuesten Skills ausprobiert, hat es sich nicht zurückentwickelt. Ganz im Gegenteil.


Nur beim Schlaf haben wir dieses merkwürdige Bedürfnis, jede Veränderung in „besser“ und „schlechter“ einzuteilen.


„Mein Baby hat aber wirklich plötzlich schlechter geschlafen“


Glaube ich dir sofort.


Das ist auch der Punkt, an dem ich differenzieren möchte: Nicht die Schlafveränderung ist Bullshit. Die kann sehr real sein. Bullshit ist für mich die pauschale Erklärung:

„Ach, dein Baby ist vier Monate? Ganz klar Schlafregression.“


Denn Schlaf findet nicht in einem Vakuum statt:

Vielleicht lernt dein Kind gerade etwas Neues. Vielleicht zahnt es oder wird krank. Vielleicht braucht es gerade mehr Nähe. Vielleicht hat sich sein Schlafbedarf verändert. Vielleicht war in den letzten Tagen wahnsinnig viel los.


Bei älteren Babys und Kleinkindern können genauso eine Eingewöhnung, ein Umzug, Trennungssituationen, ein neues Geschwisterkind oder andere Veränderungen im Familienalltag eine Rolle spielen.


Und manchmal wissen wir schlicht nicht, warum der Schlaf gerade unruhiger ist.

Das ist immer noch eine bessere Antwort als jedem Kind im passenden Alter die nächste Regression überzustülpen.


Noch mehr Bullshit: „Du musst die Regression jetzt beheben“

Das ist für mich das viel größere Problem hinter dem Begriff. Denn sobald Eltern hören, ihr Kind sei in einer Schlafregression, kommt fast automatisch die nächste Frage:

Wie bekomme ich es da wieder raus?


Und plötzlich wird optimiert. Wachfenster werden minutengenau berechnet, Schlafpläne erstellt, Einschlafhilfen hinterfragt und irgendwann bekommt Mama vielleicht noch erzählt, dass ihr Baby jetzt dringend lernen müsse, alleine einzuschlafen, weil sie ihm sonst „schlechte Gewohnheiten“ angewöhnt.


Dabei könnten wir zunächst eine viel sinnvollere Frage stellen:

Was ist gerade bei meinem Kind los – und was braucht es?


Vielleicht braucht dein Baby gerade tatsächlich mehr Unterstützung beim Einschlafen. Vielleicht möchte es wieder häufiger gestillt werden. Vielleicht funktioniert ein Rhythmus, der vor sechs Wochen wunderbar gepasst hat, inzwischen nicht mehr.


Das heißt jetzt nicht, dass du alles einfach aushalten musst. Bedürfnisorientierter Babyschlaf bedeutet nicht, dass die Bedürfnisse der Mutter plötzlich nicht mehr zählen. Natürlich darfst du etwas verändern, wenn eure Schlafsituation für euch nicht mehr funktioniert. Aber wir müssen dein Kind dafür nicht erst zum Problem erklären.


Schlaf ist ein Auf und Ab. Auch ohne fancy Namen dafür.

Die kindliche Schlafentwicklung verläuft nicht linear. Genau das vermittle ich auch in meinem Kurs „Schlaf gut, Baby!“: Schlaf ist ein Reifeprozess und gerade in den ersten Lebensjahren gibt es immer wieder Phasen, die Eltern als besser oder schlechter empfinden.


Vielleicht schläft dein Baby drei Wochen plötzlich längere Abschnitte und du denkst: Jetzt haben wir's!


Spoiler: Vielleicht habt ihr's. Vielleicht sieht es nächste Woche wieder komplett anders aus.

Babyschlaf eben.


Und genau deshalb würde ich viel lieber von einer Schlafentwicklungsphase sprechen – oder ganz unspektakulär sagen: Der Schlaf deines Kindes verändert sich gerade. Das klingt weniger dramatisch als „REGRESSION!!!“, verkauft wahrscheinlich weniger 7-Schritte-Schlafpläne, beschreibt aber ziemlich gut, was passiert.


Also: Gibt es Schlafregressionen nun oder nicht?

Wenn wir damit meinen, dass Kinder in bestimmten Entwicklungsphasen vorübergehend unruhiger schlafen oder häufiger aufwachen können: Ja, natürlich.


Wenn wir damit meinen, dass jedes Baby mit 4, 8, 12 oder 18 Monaten zuverlässig eine festgelegte Regression durchläuft, die Eltern erkennen, überstehen und am besten möglichst schnell beheben müssen: Bullshit.


Dein Kind ist kein Schlafplan auf zwei Beinen. Es entwickelt sich individuell, egal bei welchen Themen, sei's das Sprechen, das Laufen und sein Schlaf genauso.


Vielleicht hilft dir deshalb beim nächsten Mal, wenn jemand sagt: „Ohhh, bestimmt die nächste Schlafregression“, ein anderer Gedanke:

Vielleicht entwickelt sich mein Kind gerade nicht zurück. Vielleicht entwickelt es sich einfach WEITER.


Und wenn du verstehen möchtest, was beim Baby- und Kleinkindschlaf tatsächlich passiert, statt bei jeder schwierigen Nacht die nächste Regression zu googeln: Genau darum geht es in meinem Kurs „Schlaf gut, Baby!“. Es geht dabei darum, Baby- und Kleinkindschlaf zu verstehen, sinnvolle Stellschrauben zu erkennen und herauszufinden, was zu deinem Kind und zu euch als Familie passt. Ohne starre Pläne. Ohne Panik vor der nächsten Regression. Und natürlich ohne Bullshit.


Von Herzen ♥️


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